Studieren im Flüchtlingslager

Studieren im Flüchtlingslager

JRS Kenia

Kakuma, 2015 – Suad Sharif strahlt über das ganze Gesicht, als sie ihr Diplom aus der Hand der amerikanischen Universitätsrektorin entgegen nimmt. „Ich bin sehr, sehr glücklich! Auf diesen Tag habe ich die letzten drei Jahre gewartet.“ Die junge Sudanesin lebt seit über fünfzehn Jahren im Flüchtlingslager Kakuma in Kenia. Im Jahr 2010 hat der Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS) hier ein neues Projekt gestartet: Eine Online-Universität für Flüchtlinge. Etwas sperrig nennt sich das Ganze JC:HEM, eine Abkürzung für „Jesuit Commons: Higher Education at the Margins“. Übersetzt bedeutet das in etwa: „Jesuitische Initiative für Hochschulbildung an den Grenzen“. Die Idee dahinter ist folgende: Das Netzwerk amerikanischer Jesuitenuniversitäten und der Flüchtlingsdienst der Jesuiten arbeiten zusammen, um Flücht­lingen den Zugang zu Universitätsbildung zu verschaffen. Die Universitäten bringen das akademische Fachwissen mit und der Flüchtlingsdienst hat in den Lagern die Infrastruktur und die Mitarbeiter, um die Teilnehmer zu begleiten. Über Internet, E-Mail, Skype und Online-Plattformen kommen beide Gruppen zusammen: Professoren und Tutoren in den USA auf der einen Seite und Studierende wie Suad Sharif im Flüchtlingslager Kakuma auf der anderen Seite.

 

Diplom nach drei Studienjahren
Eigentlich sollten Flüchtlingslager vorübergehende Notunterkünfte sein. Viele sind jedoch zu dauerhaften Bleiben geworden, in denen Flüchtlinge 15 bis 20 Jahre ihres Lebens verbringen. „Es verändert sich etwas, wenn du studieren kannst“, sagt Suad Sharif. „Ohne Bildung wird sich die Welt nicht ändern. JC:HEM hat uns Hoffnung gegeben.“ 26 junge Frauen und Männer gehören zum ersten JC:HEM-Jahrgang in Kakuma, die ihr dreijähriges Studium erfolg­reich abgeschlossen haben. Die Motivation und das Durchhalte­vermögen der Studenten im Flüch­tlings­lager sind beeindruckend. Gleichzeitig mit Kakuma ist das Universitäts­programm im Flücht­lings­lager Dzaleka in Malawi gestartet und in Aleppo in Syrien, von wo es mittlerweile jedoch ins jordanische Amman verlegt wurde. Über 200 Studenten sind in Kenia, Malawi und Jordanien im Diplom­programm eingeschrieben und mehr als 350 haben die dreimonatigen Zertifikatskurse abgeschlossen. Dem Projekt geht es um drei Ziele: Das Leben und die Chancen im Flüchtlingslager zu verbessern, Rückkehrer für den Wiederaufbau der Heimat auszubilden und Flüchtlingen, die in ein Drittland umsiedeln, dort den Start zu erleichtern.

 

Ein Traum mit Potenzial                                      
Neben Kenia, Malawi und Jordanien wird das Projekt derzeit  auf Flüchtlingslager im Tschad und in Thailand nahe der Grenze zu Myanmar sowie auf Afghanistan ausgeweitet. An allen Orten arbeitet der JRS seit langem mit Flüchtlingen und Rückkehrern. Für Pater Peter Balleis, Mitgründer des Programms, ist die Marschrichtung klar: „Bis 2018 wollen wir mit JC:HEM in zehn Ländern arbeiten. Das Ganze hat viel Potenzial und kann auch über Flüchtlinge hinaus ausgeweitet werden. Vielleicht schaffen wir eine globale Online-Universität für die Armen. Wir bieten etwas für die, die am Rande leben. Wir wollen Ausgrenzung und Grenzen überwinden. Das ist unser Traum.“

Zurück Alle Artikel anzeigen.